Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Ankündigung des VW-Vorstands, rund 100.000 Arbeitsplätze abzubauen und mehrere Werke zu schließen, bedeutet einen massiven Angriff auf die Lebensgrundlagen von Beschäftigten, ihren Familien und ganzen Regionen. Auch bei Daimler/Mercedes gibt es massive Angriffe des Konzerns auf Sonderzahlungen, die erkämpfte 35 Stundenwoche und die Arbeitsplätze. Wir erklären unsere Solidarität mit allen Kolleginnen und Kollegen! Wir stehen hinter euch, wenn ihr euch gegen Arbeitsplatzvernichtung, Werksschließungen und Angriffe auf erkämpfte Rechte zur Wehr setzt.
Als Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Lehrende und Kulturschaffende teilen wir nicht das Interesse, alle gesellschaftlichen Entscheidungen den Profitzielen großer Konzerne unterzuordnen. Eine Gesellschaft, die über solch ein enormes technisches Wissen, hohe Produktivität und gut ausgebildete Menschen verfügt, sollte ihre Fähigkeiten dafür einsetzen, Arbeitsplätze in einer ökologisch nachhaltigen Industrie zu schaffen – nicht dafür, Beschäftigte gegeneinander auszuspielen und Standorte zu schließen. Doch was ist das Problem?
Es gibt große gesellschaftliche Herausforderungen im Bereich von Mobilität. Das heutige Verkehrssystem ist teuer, ineffektiv und umweltschädlich. Mobilität ist eine Ware. Es ist eine Frage des Geldes geworden, ob sich Menschen Mobilität leisten können.
VW Kollegen erklären: „Selbstverständlich ist es unser ureigenstes Interesse, sich mit der Mobilität der Menschheit zu befassen, schließlich lässt man uns jährlich über fast 90 Millionen Fahrzeuge bauen und das zunehmend auch mit den jeweiligen Tarnfarben von Militärfahrzeugen. Über 1,5 Mrd. Fahrzeuge sind es, die bereits die Erde befahren. Niemand fragt uns was nötig ist. Dabei sind Millionen Menschen von dieser Mobilität ausgeschlossen. (…) Wir sind als Industriearbeiter von der Zerstörung der natürlichen Umwelt unmittelbar betroffen – nicht nur im Sommer bei abartiger Hitze in den Werkshallen. Schichtarbeit, die ständig ausgeweitet wird, ist krebserregend. Wir leiden darunter, dass die Finanzierung und Regelung aller sozialen Fragen dem Einzelnen, bzw. seiner Familie überlassen bleibt und dabei besonders den Frauen.“ (Vortrag „Zukunft des Verkehrs“ von VW Kollegen auf der Tagung der Offenen Akademie an der Universität Göttingen)
Im Interesse des kapitalistischen Konkurrenzkampfs gehen die Vorstände der Konzerne herzlos vor. Das geht sogar bis hin zu brutalen undemokratischen Repressionen der Polizei, wie beispielsweise am 29. Juni gegen Verteiler der Kollegenzeitung „Vorwärtsgang“ bei Audi Neckarsulm. Offensichtlich im Auftrag der Konzernführung. Längst gibt es aus Wissenschaft und Technik Lösungsansätze für umweltfreundliche, kostengünstige und effiziente Mobilität. Deren Weiterentwicklung und Umsetzung braucht euch als erfahrene und gut ausgebildete Facharbeiter, ebenso wie Ingenieure, die auf eurer Seite stehen.
Wir begrüßen sehr den Aufruf „Mitbestimmung durch Streik“ für den 8. Juli. Streik ist notwendig im Kampf um Arbeitsplätze und für Umweltschutz auf Kosten der Profite. Dafür stehen wir an eurer Seite. Wir rufen Studierende, Lehrende, Forschende, Kulturschaffende zur Solidarität mit euch auf.
Dieser Kampf wird Stärke gewinnen, wenn wir über den Tellerrand des Kapitalismus hinausblicken und nicht mehr die monopolistischen Eigentümer, sondern ihr, die Kolleginnen und Kollegen bestimmen! Ein Bündnis der Arbeiterinnen und Arbeiter mit allen fortschrittlichen Menschen, Ingenieuren, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Umweltschützern, Studierenden ist die Zukunft!
Unterzeichner: Koordinierungsgruppe Studierendenpolitischer Ratschlag
Offene Akademie, Forum für fortschrittliche Wissenschaft, Wissenschaftlicher Beirat
